Wenn der Saal geräumt wird – wer steht eigentlich dazwischen?

Wenn der Saal geräumt wird – wer steht eigentlich dazwischen?

Am Landgericht Dortmund läuft derzeit ein Prozess gegen mehrere junge Männer, denen unter anderem versuchter Totschlag vorgeworfen wird. Anlass ist ein brutaler Gruppenangriff im August 2025, bei dem mehrere Menschen teils schwer verletzt wurden. Es gilt für alle Angeklagten die Unschuldsvermutung.

Bemerkenswert ist, was sich am Rande der Hauptverhandlung abspielte, der Vorsitzende Richter ließ den Zuschauerraum räumen. Zuvor war der Staatsanwalt nach eigener Schilderung aus dem Publikum heraus mehrfach beleidigt und bedroht worden. Er sprach von einer „Verrohung der Sitten” und machte deutlich, dass er sich davon nicht einschüchtern lasse.

Genau an dieser Stelle wird ein Berufsstand sichtbar, über den in der Berichterstattung meist kein Wort verloren wird: der Justizwachtmeisterdienst. Eine Saalräumung ist keine Geste, sie ist ein körperlicher, oft riskanter Vorgang. Anordnen mag sie das Gericht. Durchsetzen müssen sie andere, die Justizwachtmeisterinnen und Justizwachtmeister, die in aufgeheizten Verfahren zwischen verfeindeten Gruppen, aggressiven Besuchern und gefährdeten Verfahrensbeteiligten stehen.

Sie sind es, die Sicherheitskontrollen am Eingang durchführen, Stimmungen im Saal frühzeitig erkennen, eskalierende Situationen entschärfen und im Ernstfall eingreifen,  bevor aus Beleidigungen Übergriffe werden. Dass ein Prozess wie in Dortmund überhaupt geordnet stattfinden kann, ist auch ihr Verdienst.

Der Bundesverband der Justizwachtmeister e.V. weist seit Langem darauf hin: Die Bedrohungslage in deutschen Gerichten nimmt zu. Beleidigungen, Drohungen und Gewalt gegen Justizangehörige sind keine Einzelfälle mehr. Wer den Rechtsstaat im Saal schützt, braucht dafür eine angemessene personelle Ausstattung, eine fundierte Aus- und Fortbildung sowie eine Wertschätzung, die sich auch in der Besoldung niederschlägt.

Sicherheit im Gerichtssaal entsteht nicht von selbst. Sie wird täglich von Menschen hergestellt, die dabei selten genannt werden. Es ist Zeit, das zu ändern.

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Dieser Beitrag wird freundlicherweise zur Verfügung gestellt durch den Bundesverband der Justizwachtmeister e.V.